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Building Conversation

Building Conversation
15.09.18 - 14:00 H

Ich liebe dich. –  Jetzt sei doch mal still. – Das wirst du mir noch büßen! Mit Sprache drücken wir unsere Gefühle aus, weisen wir andere zurecht, streiten wir uns. Rund acht Milliarden Wörter soll ein Mensch während seines Lebens nutzen, fünfmal mehr sogar lesen und hören. Unsere Kultur basiert auf Konversation, und für eine funktionierende Demokratie ist es unabdingbar, dass wir miteinander reden und einander zuhören. Trotzdem denken wir (viel zu) selten darüber nach, welche Faktoren unsere Kommunikation beeinflussen. Wir machen uns kaum bewusst, dass Gespräche auch abhängen von den Orten, an denen sie geführt werden, oder von der Zeit, die uns dafür gegeben ist.

Das von dem niederländischen Künstlerkollektiv um die Regisseurin Lotte van den Berg und den bildenden Künstler Daan’ t Sas entwickelte Format Building Conversation setzt hier an und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, ein Gespräch wie eine Performance zu betrachten. Es schafft ein Setting mit wenigen Regeln und lädt alle zur gleichberechtigten Teilhabe ein. Inspiriert von Gesprächstechniken auf der ganzen Welt hat das Kollektiv vier verschiedene Diskursformate erarbeitet, die auch bei HAMBACH! zu erleben sind:

Das „Gespräch ohne Worte“ knüpft an das jährliche Zusammenkommen der Inuit an, bei dem die Oberhäupter stundenlang zusammensitzen und sich anschauen, ohne ein Wort zu sprechen.

Das „unmögliche Gespräch“ lehnt sich an eine von Jesuiten erarbeitete Praxis an, bei der die Teilnehmenden zunächst ihre Gedanken aufschreiben und dann laut vorlesen. In diesem Gespräch werden abstrakte Themen wie beispielsweise Gott, Macht oder Geld diskutiert.

Das „agonistische Gespräch“ versteht sich als konstruktive Debatte zwischen Gegnern – entwickelt als Antwort auf die Philosophin Chantal Mouffe, die die Bedeutung von Konflikten in der Politik herausstellt. Kombiniert wird ihre Theorie mit einer Praxis der Maoris, die ihre Streitigkeiten im Liegen lösen. Dabei wird klar, wie sehr die physische Position, in der wir uns befinden, auf ein Gespräch einwirkt.   

„Gemeinsam denken – ein Experiment“ basiert auf der Theorie und Praxis des amerikanischen Quantenphysikers David Bohm. Er ist der Meinung, dass es einen selbstregulierenden Mechanismus in einer großen Gruppe von Menschen gibt, der es ihr erlaubt, ohne Moderator zu kommunizieren. Laut Bohm ist ein Gespräch der Ort, an dem wir die Muster kollektiven Denkens gemeinsam untersuchen und neu justieren können.

Geleitet werden die Gespräche bei HAMBACH! von Jugendlichen, die in Workshops vor dem Festivalwochenende dazu ausgebildet werden.

 

Dauer: circa vier Stunden

Startpunkt: Neustadt an der Weinstraße, Juliusplatz

Alle Gespräche finden auf Deutsch statt.

Im Anschluss sind die Teilnehmenden herzlich eingeladen, sich bei einem gemeinsamen Essen über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Da die Plätze begrenzt sind, bitten wir um Anmeldung per E-Mail an matchbox(at)m-r-n.com.

Der Eintritt ist frei.

Foto: Judith Buss

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Während der HAMBACH! Workshop-Woche bildet das Kollektiv um Building Conversation Jugendliche aus, die zu Gesprächsleitern für die vier Formate werden und am Festwochenende die Gespräche mit dem Publikum durchführen. Anmeldung an matchbox@m-r-n.com bis zum 25. August.

10., 11., 13. September 2018 | 14.00 – 18.00 | HAMBACH! Workshops
Altes Postgebäude, Bahnhofsstr. 2, Neustadt an der Weinstraße


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